
Felicitas Mathé
Malerei und Zeichnung
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Felicitas Mathé.
Wurzeln im Süden – Zuhause im Norden
Verfasst von: Çağla Erdemir, Kunsthistorikerin
Hier im Hans-Thoma-Museum, umgeben von der mächtigen, atmenden Landschaft des Schwarzwaldes, begegnen wir den Werken von Felicitas Mathé – einer Künstlerin, deren Position sich als kompositorische Malerei zwischen Klang und Landschaft beschreiben lässt.
Mathé stammt aus einer Musiker:innenfamilie und ist inmitten dieser Landschaft aufgewachsen. Bevor sie sich der bildenden Kunst zuwandte, studierte sie in Basel, Detmold und Hannover Musik und war jahrelang als Konzertgeigerin im NDR Elbphilharmonieorchester tätig. Diese Erfahrungen schärften ihr Bewusstsein für Rhythmus, Klang und Struktur und bilden bis heute das Fundament ihres bildnerischen Denkens.
In ihren Arbeiten – seien es Tuschezeichnungen auf Papier oder großformatige Acrylgemälde – untersucht Mathé die Übergänge zwischen den Künsten, zwischen auditiver und visueller Wahrnehmung. Ihre Malerei fragt danach, wie sich Bewegung in Linie, Klang in Farbe und innere Erfahrung in sichtbare Form übersetzen lässt. Dabei geht es nicht um eine bloße Übertragung von Musik in Malerei, sondern um Transformation: Die musikalische Logik wird zum bildnerischen Prinzip. Linien entfalten sich wie Melodien, verdichten sich, lösen sich auf und kehren wieder. Farbflächen antworten aufeinander wie Töne in einem Akkord. Im Wechselspiel von Dichte und Leere, von Spannung und Ruhe entsteht ein Geflecht aus Bewegung und Stille. Es bildet eine visuelle Komposition, die weniger ein Bild im klassischen Sinn ist, sondern sich als ein Ereignis im Raum entfaltet.
Zwischen Struktur und Intuition
Wie in der Musik beruht auch Mathés Malerei auf einem feinen Gleichgewicht von Planung und Improvisation. Ihre Arbeiten entstehen ohne Vorzeichnung; der Prozess entfaltet sich als offener Dialog zwischen Hand, Material und Wahrnehmung. Die Künstlerin reagiert auf das, was Farbe und Fläche ihr vorgeben. Dadurch entstehen eine starke Unmittelbarkeit und zugleich eine komplexe formale Struktur. Diese sind vergleichbar mit dem musikalischen Prinzip der Variation, das Wiederholung und Abweichung in Balance hält. Charakteristisch ist die Verbindung von Präzision und Bewegtheit. Linien erscheinen klar und frei zugleich, Farbflächen sind transparent, ohne ihre Intensität zu verlieren. Häufig entsteht der Eindruck eines rhythmischen Schwebens, als entfalte sich das Bild aus einem inneren Atem heraus. In ihren Tuschezeichnungen zeigt sich diese Energie in ihrer konzentriertesten Form. Mit minimalen Mitteln – Linie, Fläche, Farbe – erreicht Mathé eine große emotionale Dichte. Die Zeichnung ist für sie kein Vorstadium, sondern ein eigenständiges Feld der Erfahrung. Die Linie fungiert nicht als Kontur, sondern als Zeitspur. Sie registriert Bewegung, nicht Form. Wenn Hände, Gesichter oder Körperfragmente auftauchen, geschieht das nur flüchtig. Sie erscheinen und verschwinden im Fluss der Geste. Mathé zeichnet nicht, um festzuhalten, sondern um Werden zu zeigen. Die Farbe tritt als atmosphärische Schicht hinzu. Lasierende Töne in Ocker, Blau oder Purpur schaffen Resonanzräume, die zugleich Klangräume bilden, in denen Linien zu schwingen beginnen. So entsteht ein visuelles Nachklingen: eine Zeichnung, die Bewegung nicht beschreibt, sondern erfahrbar werden lässt. In ihren Acrylgemälden dehnt sich diese Energie in den Raum hinein aus. Mathés Komposition erinnert an geologische oder hydrologische Prozesse. Wasserfälle, Felsen, Pflanzen oder Lichtzonen erscheinen nicht als festgelegte Formen, sondern als Strömungen, als Energiefelder. Das Wasser spielt dabei eine zentrale Rolle. Es steht für das Fließende, das Übergängige, für Wandel als Grundprinzip. In den Wasserfallbildern stürzen weiße Kaskaden über farbige Flächen, lösen sich in Tropfen und Nebel auf, um an anderer Stelle wieder Gestalt anzunehmen. Diese Arbeiten sprechen von Kreisläufen und von einer Natur, die lebt und atmet. Mathé betrachtet Landschaft nicht als ein Gegenüber, sondern als Teil eines größeren Zusammenhangs, in dem Körper, Material und Wahrnehmung ineinandergreifen. Seit Jahren porträtiert sie Naturlandschaften, auch jene des Schwarzwaldes, und hält sie als Orte fest, an denen Bewegung, Zeit und Form miteinander verschmelzen. Ihre Bilder laden dazu ein, die Vielfalt dieser lebendigen Systeme zu bewundern und zugleich über ihre gegenwärtige Gefährdung nachzudenken.
Zwischen Musik und Malerei
Kunsthistorisch steht Mathé in einer Reihe von Künstlerinnen und Künstlern, die das Verhältnis von Musik und Bild erforschten – von Georgia O’Keeffe über Paul Klee und Wassily Kandinsky bis hin zu Agnes oder Cy Twombly. Doch während beispielsweise Kandinsky Musik als geistige Entsprechung der Malerei begriff, interessiert Mathé das Körperliche, das sinnlich Erfahrbare.
Ihre Malerei ist nicht abstrakt im theoretischen Sinn, sondern konkret im Gefühl. Sie entsteht aus einem Zustand der Konzentration, in dem Hand, Idee und Empfindung zu einer Einheit verschmelzen und das Werk seine eigene Logik entfaltet. Diesen Moment beschreibt die Künstlerin als „Flow“.
Diese Haltung ist wesentlich für ihr Verständnis von Kunst: Es geht ihr nicht um Abbildung, sondern um das Offenlegen eines Prozesses, in dem Wahrnehmung selbst Gestalt annimmt.
In dieser Arbeitsweise liegt eine leise, aber deutlich feministische Dimension. Mathés Kunst beruht auf einem tiefen Vertrauen in das Erfahrungswissen des Körpers. Ihre Linien entstehen aus Bewegung, nicht aus Distanz. Sie reagiert, statt zu kontrollieren. Damit stellt sie sich gegen eine kunsthistorische Tradition, die Autorität mit Dominanz und Kontrolle verband. Statt Beherrschung formuliert ihr Werk Resonanz, statt Hierarchie Beziehung. Das Entstehen des Bildes ist kein Akt der Setzung, sondern ein Prozess des Hörens – auf Material, Rhythmus und Moment.
Auch in ihren Stillleben und floralen Motiven bleibt diese Haltung spürbar. Werke wie „Beim Fischhändler“ oder die leuchtenden Magnolienbildern verbinden kompositorische Klarheit mit Offenheit. Die Dinge erscheinen nicht als starre Formen, sondern als Teil einer größeren, visuellen Harmonie.
In der „Fischräucherei“ etwa hängen Reihen von Fischen dicht beieinander, rhythmisch geordnet, fast wie Noten auf einer Partitur. Die Farbflächen in Blau, Gelb, Orange und Grün treten in Dialog, wiederholen sich, variieren einander. Das vermeintlich Stille wird zur lebendigen Komposition, das Alltägliche zum orchestralen Ereignis. Diese Verbindung von Struktur und Intuition verweiset auf Mathés musikalische Herkunft. Wie in der Musik entsteht die Form aus Zeit, Rhythmus und Wiederholung.
Felicitas Mathés Werk zeichnet sich in besonderer Weise durch Offenheit und Sensibilität aus. Sie sucht keine endgültigen Formen, sondern Zustände des Übergangs. Ihre Bilder fordern ein anderes Sehen – eines, das hört, mitfühlt und auf Bewegung reagiert.
Im Kontext des Schwarzwaldes, dieser vielstimmigen Landschaft aus Licht, Schatten, Wasser und Wind, entfalten ihre Arbeiten eine besondere Präsenz. Sie spiegeln die Umgebung nicht, sondern treten in Beziehung zu ihr.
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SELEKTIERTE WERKE
BIOGRAPHIE

Felicitas Mathé ist in einer Musikerfamilie im Schwarzwald aufgewachsen.
Nach dem Abitur studierte sie zunächst Musik in Basel, Detmold und Hannover und erhielt als Konzertgeigerin u.a. den Preis der Kunststiftung Baden-Württemberg. Sie spielte viele Jahre als Konzertgeigerin im NDR Elbphilharmonieorchester Hamburg und widmet sich seit der Beendigung ihrer Bühnenkarriere ganz der professionellen Malerei.
Sie erhielt ihre künstlerische Ausbildung in Zeichnung und Malerei zuerst bei Waltraut Kiessner in Hamburg, dann bei Dagmar Wassong an der Europäischen Kunstakademie Trier und seit 2017 bei Prof. Martin Seidemann ( Kunsthochschule Berlin Weissensee). Daneben trifft sie sich regelmäßig mit der Gruppe Polymer zum Aktzeichnen.
Ihre Arbeitsweise als Musikerin kann sie dabei komplett auf die Malerei übertragen.
Das Leben mit Musik sowie die Vielfalt der großartigen Landschaft des Schwarzwalds oder den Boddenlandschaften auf dem Darß prägen ihre künstlerische Arbeit. Daraus ergeben sich die zwei Hauptthemen in ihrer künstlerischen Arbeit :
Felicitas Mathé lässt sich von musizierenden und tanzenden Menschen inspirieren. Dabei sind ihr auch die Hände als Ausdrucksträger der menschlichen Seele besonders wichtig, denn
" ein musizierender Mensch FÜHLT sich ganz intensiv durch jede Faser der Hände ". Das ihr vertraute Gefühl des Musizierens fließt dabei in ihre Malerei und Zeichnung stark mit ein. So entstehen Portraits und zeitgenössische Tanzdarstellungen. Musikalische Formen wie das "Thema mit Variationen" bestimmen ihre malerischen Kompositionen.
Neben der Musik haben Naturerlebnisse in ihrer überwältigenden Schönheit eine große Bedeutung für die Künstlerin, und sie entwickelt daraus eine moderne, frei interpretierte Bilderwelt.
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